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PropTech in Europa: 4 Trends und (noch) kein Unicorn

  • Best Practices & Trends
Published by Nicole Keller - 28. July 2021
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Wie PropTechs und Digitalisierung die europäische Immobilienwirtschaft verändern ‒ in der Corona-Pandemie und darüber hinaus 

Marktspezifische digitale Lösungen sind mit gutem Grund in den verschiedensten Wirtschaftszweigen auf dem Vormarsch. Sie schaffen nicht nur neue Dimensionen für die Kundeninteraktion, sondern optimieren gleichzeitig auch den Ressourceneinsatz und die Datenverarbeitung auf Anbieterseite. Auch in derImmobilienbranche spiegelt sich diese digitale Transformation wider. 

Lange wurde der Immobilienmarkt als ein klassisch analoger und auf direkten Kundenkontakt angewiesener Sektor bewertet. Insbesondere in den letzten zwei Jahren haben aber verschiedenste Start-ups  auch an europäischen Märkten begonnen,neue digitale Zugänge zu den verschiedensten Phasen der Immobilientransaktion und -verwaltung zu entwickeln 

Die Konsequenzen dieser Verschiebung auf digitale Plattformen sind potenziell tiefgreifend. „PropTech kann Denk- und Verhaltensweisen von Verbraucher:innen und Unternehmen langfristig verändern, vor allem durch die Einbindung von innovativen Technologien in neuen Geschäftsmodellen‟, so erklärt es Sachio Hirosawa, Managing Director für PriceHubble Japan. Der Begriff PropTech umfasst dabei eine große Vielfalt von digitalen Lösungen.  

Was ist PropTech eigentlich?

PropTech, kurz für Property Technology, befasst sich mit der Entwicklung digitaler Angebote für den gesamten Immobilien-Lifecycle. Die PropTech-Übersicht von Builtworld und PwC European PropTech Map 2020 unterscheidet beispielsweise die folgenden fünf Kategorien: 

  • Bewertung, Finanzierung und Investment
  • Facility-Management
  • Asset-Management
  • Digitale Märkte 
  • „Smart City‟ Städteplanung 

Von Online-Besichtigungen dank Virtual Reality bis zu Building Information Modeling (BIM) kann PropTech in die verschiedensten Phasen von Immobilieninvestments und -nutzung eingreifen und sie optimieren. Nutznießer sind dabei neben etablierten Unternehmen als Geschäftspartner:innen auch die Endverbraucher:innen selber. 

Die PropTech-Szene fügt sich dabei in ein Netzwerk existierender Tech-Lösungen ein, insbesondere den FinTechs der Finanzbranche, LegalTechs zur Vertragserstellung und -verwaltung sowie den ConTechs der Bau- (oder Construction-) Industrie. Oft ergänzt sich der Fokus hier oder überschneidet sich sogar. 

“Die größte Überschneidung findet man in der Tat mit dem FinTech-Sektor, da er so eine enge Beziehung zu Real Estate aufweist”, erläutert Sachio Hirosawa. “Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass die FinTech-Industrie dem Immobilienmarkt um einige Jahre voraus ist. Das ist für Investor:innen besonders interessant, weil sich damit aktuelle Entwicklungen im PropTech-Bereich besser verstehen und prognostizieren lassen.”

Proptech_Schnittstellen
PropTech als Teil eines Netzwerks existierender Tech-Lösungen.

Interessanterweise ist der europäische PropTech-Markt gerade erst dabei, sein Potenzial auszuloten und zu verwirklichen. Einiges abschauen kann er sich dabei von amerikanischen Vorreitern.

PropTechs in europäischen Immobilienmärkten 

PropTechs in Europa begegnen im Vergleich zum Weltmarktführer USA tatsächlich mehr Herausforderungen. Durch die Segmentierung in Länder muss hier im Plural gedacht und geplant werden: Jeweils eine eigene Gesetzeslage, unterschiedliche Sprachen und Kulturen sowie variierende Standards für den Immobilienmarkt sind in Betracht zu ziehen. 

“Der amerikanische Markt ist trotz gewisser Unterschiede zwischen verschiedenen Bundesstaaten größtenteils einheitlich. Europäische Immobilienmärkte sind dagegen von Natur aus fragmentiert”, so Sachio Hirosawas realistische Einschätzung. Darin sieht er aber auch einen großen Vorteil. “Europäische PropTech-Unternehmen sind schon in Lokalisierung erprobt. Diese Kompetenz lässt sich dann auf Expansionen in andere internationale Märkte, zum Beispiel in Asien, übertragen.”

Auch im Zugang zuFunding gibt es große Unterschiede. Bis zu 34-mal höher ist dieses in den USA - ein wichtiger Faktor für das langfristige Wachstum von Start-ups, besonders wenn das Ziel ist, zu einem Unicorn mit einem Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar zu wachsen. Derzeit ist die Versuchung für europäische PropTech-Unternehmen darum groß, in die USA umzusiedeln. Initiativen wie das Branchennetzwerk der German PropTech Initiative in Deutschland oder das Förderprogramm ESCALAR der Europäischen Kommission haben sich deshalb das Ziel gesteckt, Unternehmen des wachsenden PropTech-Sektors nicht nur beim Wachstum zu unterstützen, sondern auch langfristig in Europa zu halten. 

Wieso gibt es in Europa noch kein PropTech Unicorn?

Insgesamt ist die PropTech-Szene in Europa etwas später gestartet als die US-amerikanischen Vorreiter, und auch die oben genannten Besonderheiten der europäischen Märkte mögen eine Rolle spielen. Wird aber die Marktdurchdringung trotz Fragmentierung weiter vorangetrieben, in Geschäftsmodellen auf Skalierbarkeit und Disruptivität gesetzt und ausreichend Funding zur Verfügung gestellt, stehen die Chancen gut, dass sich auch in Europa eine PropTech Unicorn etablieren kann. 

Investitionen in europäisches PropTech sind zwischen 2014 und 2019 um durchschnittlich 45 % pro Jahr gewachsen - ein starker Indikator für die Zukunft. Am aktivsten sind Investor:innen in Großbritannien und Deutschland, doch auch in kleineren Märkten wie den skandinavischen Ländern zeichnet sich ein reges Interesse an PropTech ab. 

Proptech financing Europe
Quelle: PropTech1 Ventures

Der Blick in die Zukunft ist also vielversprechend. Einige jetzt schon erkennbare Trends werden die weitere Entwicklung dabei entscheidend mitbestimmen.

4 PropTech Trends in Europa  

In ihrem Real Estate Innovations Overview identifizierte KPMG 2020 gleich neun Schlüsselbereiche für Innovationen in der Immobilienbranche: Prozessdigitalisierung, flexible Arbeitsräume, Gesundheit zu Hause und im Büro, innovatives Bauen, das Internet of Things, neue Wege zum Funding, Plattformen und Marktplätze, nachhaltige Innovationen und zu guter Letzt virtuelle Realität und 3D-Fotografie. Auf Basis dieser und anderen Beobachtungen und Analysen kristallisieren sich für die PropTech-Szene in Europa diese vier zentralen Trends heraus. 

1) Virtualisierung und Digitalisierung von Prozessen 

Die Verlagerung von Verwaltungs- und Verkaufsprozessen auf virtuelle und digitale Plattformen trägt nicht nur einem veränderten Käuferverhalten Rechnung, sondern bietet auch enorme Potenziale zur Optimierung und Einsparung von Ressourcen. Hierzu gehört unter anderem der in vielen Ländern greifende Trend zur E-Signature, der Vertragsabschlüsse unkompliziert und vom eigenen Endgerät aus ermöglicht. Ein weiterer Aspekt ist die Automatisierung von Aufgaben in der Gebäudeverwaltung wie etwa Onlinezahlungen und -buchhaltung, sowie die digitale Abwicklung von Reparaturanfragen und Instandhaltungsplanung. Durch die Coronakrise aber am meisten an Bedeutung zugenommen hat vor allem die Rolle von digitalen Objektbesichtigungen

Anbieter wie Nodalview haben sich auf diesen Bedarf spezialisiert, indem sie Makler:innen die professionelle virtuelle Erfassung von Objekten mit Fotos und Videos leicht machen. Kernstück ist dafür eine Smartphone-App, zusätzlich haben Kund:innen die Option, passendes Fotografie-Equipment nach Bedarf dazuzukaufen. 

Auch branchenübergreifende Angebote wie Meero finden auf dem Immobilienmarkt Anwendung. Dieses französische Start-up, dasin nur drei Jahren den begehrten Unicorn-Status erreicht hat, vermitteltFotograf:innen auf Projektbasis und nutzt künstliche Intelligenz, um die resultierenden Bilder automatisch zu optimieren und retuschieren. 

Nicht nur Backend-Prozesse erleben aber eine zunehmende Digitalisierung - sie findet auch auf Kundenseite statt. 

2) Digitalisierung von Arbeitsalltag und Lebensstilen 

In immer mehr Bereichen finden Routineerledigungen und Arbeitsalltag primär auf digitalen Plattformen statt. Auf einzigartige Weise spiegelt das in der Immobilienwelt die Anwendung HqOS wider. Wie ein Äquivalent zu Smart Home Technologie fokussiert diese sich auf die digitale Vernetzung und Verwaltung von Büro- und anderen kommerziellen Immobilien. 

Vermarktet als “Tenant Experience Operating System” erlaubt sie die Gestaltung von Smart Spaces, die das Kundenerlebnis als Mieter:in und Nutzer:in von Immobilien um eine digitale Dimension erweitern. Für Eigentümer:innen bietet sie zusätzlich Kapazitäten zur Datenanalyse und Mieterverwaltung, die die Entwicklung und Umsetzung einer Vermietungsstrategie erleichtern. 

3) Immobilien-Crowdinvesting 

Auf Investmentseite setzt sich derzeit ein Konzept durch, das schon in vielen anderen Branchen große Erfolge verzeichnet: Crowdfunding, oder vielmehr Crowdinvesting. Indem sie Investitionen auch von kleineren Anlagebeträgen ermöglicht, erschließt sie eine ganz neue Gruppe von meist jungen Investor:innen, die bisher von den höheren Einstiegsschwellen klassischer Immobilieninvestitionen abgehalten wurden.

Das Start-up Immo Capital beispielsweise arbeitet mit Portfolios von Wohnimmobilien in hochwertigen europäischen Märkten wie London oder Hamburg. Durch einen Fokus auf Einzelwohneinheiten, etwa einzelne Eigentumswohnungen statt eines ganzen Wohnblockes, gelingt es dem Investment-Management-Unternehmen zudem, einen von großen Investor:innen oft vernachlässigten Teil des Immobilienmarktes urbar zu machen.

4) Datenbasierte und KI-gestützte Lösungen

Ein Aspekt, der die vielen verschiedenen Akteure im Immobilienmarkt verbindet, ist die Notwendigkeit verlässlicher Marktdaten und -analysen. Diese sind jetzt durch Innovationen in der Datenerfassung und -verarbeitung zugänglicher und aussagekräftiger denn je - wenn man sie richtig anzuzapfen weiß. 

Genau an dieser Stelle setzt PriceHubble an. Aus der Schweiz kommend, ist es als B2B Immobilienberatungsunternehmen schon in den verschiedensten europäischen Märkten und in Japan unterwegs, um u.a. Makler:innen digitale Tools für die erfolgreiche Immobilienvermittlung an die Hand zu geben, Finanz- und Versicherungsdienstleistern zu helfen, ihre Kernkompetenzfelder zu ergänzen und Immobilieninvestor:innen und -verwalter:innen die Arbeit zu erleichtern. 

PriceHubble-Anwendungen setzen hierfür auf Datenauswertung mittels künstlicher Intelligenz. Aufbauend auf diesen Algorithmen und Immobiliendaten aus einer Bandbreite von verlässlichen Quellen, können für jedes beliebige Objekt tagesaktuelle und präzise Markt- und Mietpreise ermittelt werden. Damit ist eine verlässliche Basis für jede Art von Entscheidungen und Maßnahmen rund um das Thema Immobilien geschaffen.

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PriceHubble nutzt Big Data Analytics und künstliche Intelligenz zur präzisen Bewertung von Immobilien

Im Zuge dieses Trends wird auch die Automatisierung von repetitiven und administrativen Aufgaben immer wichtiger werden. PriceHubble ermöglicht dieses beispielsweise mit dem Property Tracker Feature, das automatisch Bewertungsupdates an die Immobilienbesitzer unter den Endkund:innen versendet. “PriceHubble begleitet damit den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie”, so fasst es Sachio Hirosawa zusammen. 

Fazit und Ausblick 

Nicht nur “Real PropTech” bestimmt, erweitert und verändert die digitale Ebene des Immobilienmarktes. Blockchain zum Beispiel wurde nicht spezifisch für den Immobilienmarkt entwickelt, Expert:innen halten aber den Atem an, wie sich diese neue Technologie mittelfristig auf Immobilientransaktionen auswirken wird. 

PropTech verspricht allerdings, einen entscheidenden Beitrag zu Veränderungen von Interaktionen im Immobilienmarkt zu leisten. Interessant wird hierbei besonders zu beobachten, welche langfristigen Konsequenzen die Coronakrise für Immobilienmärkte und ihre Prozesse haben wird, schließlich hat sie den Digitalisierungsbedarf mit besonderer Dringlichkeit vorangetrieben. Immobilienunternehmen mögen versucht sein, sich nach erfolgreicher Überwindung der Pandemie auf vertraute, traditionelle Verfahren zurückzubesinnen. Andere Branchen und Märkte deuten aber darauf hin, dass Digitalisierung in der Regel kaum aufgehalten und noch weniger rückgängig gemacht werden kann. 

Es liegt daher in der Verantwortung der einzelnen Akteure am Immobilienmarkt, Digitalisierung als Herausforderung anzunehmen. Mit dem gezielten Einsatz von PropTech und einer proaktiven Reaktion auf sich abzeichnende Trends kann dies nicht nur erfolgreich gelingen, es winken auch noch größere Entwicklungschancen - schließlich wartet Europa noch immer auf sein erstes PropTech Unicorn. 


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